Freitag, 20. Oktober 2017 Home Home Stellenangebote Stellenangebote Partner Partner Impressum Impressum
Suche
Geriatrietage2011

Lübecker Geriatrietage 2011 - Rückblick

Im Zeichen des Schmerzes – Wissenschaft und Selbsterfahrung

Als „bellenden Wachhund der Gesundheit“ empfanden die Menschen der Antike den Schmerz. Hat sich etwas geändert? Wie entsteht der Schmerz, wie nehmen wir die Schmerzäußerungen unserer betagten Patienten und Bewohner wahr, wie können wir ihre Schmerzen angemessen einschätzen und wie können wir dazu beitragen, diese zu lindern? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der zweiten Lübecker Geriatrietage, die am 16. und 17. September im Fortbildungszentrum der DRK-Schwesternschaft Lübeck e.V. im Krankenhaus Rotes Kreuz Lübeck -Geriatriezentrum- zum Schwerpunktthema „Schmerz“ stattfanden. Über 100 Interessierte aus den Bereichen Pflege, Therapie, Medizin sowie aus dem psychologischen und sozialen Dienst nutzten die Gelegenheit, ihr Fachwissen zu aktualisieren, zu erweitern und sich auszutauschen.
Fachvorträge führten in die verschiedenen Themen ein, die in praxisbezogenen Workshops zum Teil hautnah erfahrbar gemacht wurden.

 

Einführende Fachvorträge

Wie der nationale Expertenstandard „Schmerzmanagement“ die Pflegenden bei der Begleitung von Schmerzpatienten unterstützt, erklärte Elisabeth Buddenberg, Pain-Nurse in der Raphaelsklinik Münster. Um eine dem Patienten angemessene Medikation zu gewährleisten, sei vor allem die enge Zusammenarbeit und der offene Austausch zwischen Patient, Pflegendem und Arzt unerlässlich. Gerade die Pflegenden hätten durch ihre besondere Nähe zum Patienten die Möglichkeit, Zeichen und Äußerungen angemessen zu deuten – speziell dann, wenn sie bei der Beurteilung der körperlichen Symptome, der Äußerungen und dem Verhalten den kulturellen Hintergrund des Menschen berücksichtigten. Dieser Aspekt wurde von Dr. Norbert Kohnen als Ethnomediziner anschaulich eingebracht.

Allein das „Alter ist kein Analgetikum“ Die Schmerztoleranz sinke im Alter und die Schmerzen würden sogar intensiver erlebt. erklärt Prof. Dr. Hartmut Göbel, Ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel.

Dies ist eine Folge des veränderten Schmerzerlebens, das wiederum auf die altersbedingte veränderte Verarbeitung von Schmerzreizen zurückzuführen sei, so Dr. Martin Lindig, Leiter der Schmerzambulanz des Universitätsklinikums Lübeck. Er betonte weiter, dass das Schmerzerleben nicht am Ort der Schmerzentstehung stattfindet, wie Patienten manchmal glauben, sondern im Gehirn.

Schmerzlindernd wirke sich auch die Hypnotherapie aus, wie der Arzt und Psychotherapeut Dr. Hansjörg Ebell erklärte. Insbesondere die Selbsthypnose könne bei chronischen Schmerzen im Kontext eines Gesamt-Therapiekonzepts dem Patienten das Gefühl des Ausgeliefertseins nehmen und seine Selbstwirksamkeit stärken.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgte Charles Dean, Neurophysiotherapeut aus Barnley/England. Er ermunterte die Pflegenden und Therapierenden, sich bei der Behandlung vor allem in den „Prozess“ der Therapie und so in das „Hier und Jetzt“ zu vertiefen, um so die Empfindungen des zu Begleitenden tatsächlich wahrnehmen zu können. Absicht sei, „dem Patienten einen aktiven Austausch mit seiner Umwelt zu erleichtern [bzw. zu] ermöglichen, also selbstwirksam zu sein“.

 

Praxisbezogene Workshops

Welches Gefühl erzeugt das Auflegen einer Hand und welche Wirkung ist damit verbunden? Dies konnten die Teilnehmer des Workshops von Holger Petersen, leitender Therapeut im Krankenhaus Rotes Kreuz Lübeck -Geriatriezentrum- eindrucksvoll erleben.

Welche Möglichkeiten der individuellen Pflege und Zuwendung der Einsatz ätherischer Öle in der Aromapflege auf das Schmerzerleben und die -bewältigung bietet, zeigten die Aromaexpertinnen Marion Münstermann, DRK-Schwesternschaft Lübeck, und Monika Schmitz, Raphaelklinik Münster, in ihren Workshops.

Seit 2007 haben Versicherte Anspruch auf Leistungen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. Dr. Carmen-Johnna Steiger erläuterte, welche Bedingungen erfüllt sein müssen und wie sich der Weg der Beantragung im Bundesland Schleswig-Holstein darstellt. Susanne Preuss, Mitbegründerin des Palliativ-Care-Teams, stellte in ihrem Workshop die palliativmedizinische, palliativpflegerische und psychosoziale Versorgung in Lübeck und Umgebung vor.

 

Vielschichtiges Sympoisum

Prof. Dietrich v. Engelhardt, Medizinethiker, fasste in seinem Abschlussvortrag zusammen, dass der Schmerz in seiner jeweils physischen, psychischen, sozialen und kulturellen Erscheinung unser persönliches „Werturteil“ maßgeblich beeinflusse.

Im Laufe der Tagung wuchs bei den Teilnehmern die Erkenntnis, dass eine individuell ausgerichtete medikamentöse Therapie gerade bei älteren Schmerzpatienten qualifiziertes Fachwissen verlangt und die Kenntnisse über das persönliche Schmerzerleben und die jeweils angewandte Schmerzstrategie die Behandlung und Begleitung maßgeblich unterstützen kann.

Die professionelle Behandlung und Begleitung geriatrischer Patienten ist ein Aspekt, der insbesondere für pflegende Fachkräfte eine zukunftweisende, vielfältige und spannende Perspektive bietet.

„Danke für das vielschichtige, ausgewogene und ermutigende Symposium, Schade, dass ich nicht alle bzw. mehrere Workshops gleichzeitig besuchen kann“, stand auf einem Evaluationsbogen.

Wie bereits 2009, erscheint auch 2011 ein Tagungsband.

Das Organisationsteam um Tagungsleiter Chefarzt Dr. Martin Willkomm beginnt bereits jetzt hochmotiviert mit der Planung der Lübecker Geriatrietage 2013.

 

237_content_1508450401_645_lohse.jpg

Kristina Lohse
Qualitätsmanagerin, Tagungskoordinatorin,
Krankenhaus Rotes Kreuz Lübeck -Geriatriezentrum- ,
DRK-Schwesternschaft Lübeck e.V.